Werte sind etwas sehr Wertvolles, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben. Werte sind zudem etwas sehr Grundlegendes, das unsere Gedanken, Meinungen, Bedürfnisse und Handlungen beeinflusst. Es macht also Sinn sich einmal bewusst und im Detail mit dem Thema Werte auseinanderzusetzen.

 

Zuerst werden wir uns anschauen, was Werte genau sind und wie sie entstehen. Sobald wir uns dessen bewusst sind, können wir uns mit der Frage nach der Bedeutung von Werten auseinandersetzen, einerseits mit der Bedeutung für die Unternehmung als Ganzes und für die Teamentwicklung im Speziellen.

 

Auch in diesem Artikel konzentrieren wir uns auf den wirtschaftlichen Kontext. Unternehmenswerte sind eng mit der Mission und Vision der Organisation verbunden und sind eine wichtige Ergänzung dazu. So ist die Unternehmensmission und die Unternehmensvision basierend auf gewissen persönlichen Werten der Gründer/Innen entstanden. Die Werte eines Unternehmens helfen wiederum dabei, die Mission und Vision konsequent zu leben. Aber first things first. Lass uns mit der Definition starten, damit wir ein einheitliches Verständnis von Werten erhalten. Auch hier wird der Begriff in Theorie und Praxis manchmal etwas irreführend verwendet.

 

Was ist gemeint mit Werten?

Gemäss des Gabler Wirtschaftslexikons werden Werte allgemein wie folgt definiert:

 

«Strukturen normativer Erwartungen, die sich im Zuge reflektierter Erfahrung (Tradition, Sozialisation, Entwicklung einer Weltanschauung) herausbilden.» (Prof. Dr. Suchanek, Prof. Dr. Lins-Hi & Prof. Dr. Maier, 2021)

 

Klar soweit? Vermutlich nicht, denn die Definition ist enorm komplex formuliert. Was wir aber bereits aus der Beschreibung entnehmen können ist, dass Werte etwas sind, das sich im Laufe der Zeit aufgrund von Erfahrungen gebildet hat.

 

Eine deutlich einfach verständlichere Version der Begriffserklärung liefert Ines Cordes auf ihrer Website www.inescordes.com.

 

«Werte oder auch Wertvorstellungen sind Eigenschaften oder Qualitäten, die wir als wertvoll und erstrebenswert betrachten. Auch zu bezeichnen als Regeln oder Prinzipien nach denen wir unser Leben ausrichten.»

 

Diese Definition macht uns das Leben schon deutlich einfacher und bringt Licht ins Dunkel. Werte sind also etwas sehr Persönliches und jeder Mensch hat sie, egal ob bewusst oder unbewusst. Unsere Werte haben sich aufgrund vergangener Erfahrungen gebildet und beeinflussen, wie wir unser Leben gestalten.

 

Hier ein paar Beispiele für typische Werte:

 

  • Mut
  • Freiheit
  • Liebe
  • Ehrlichkeit
  • Gerechtigkeit
  • Frieden
  • Gesundheit
  • Selbstbestimmung
  • Zuverlässigkeit
  • Erfolg
  • Spass
  • Macht
  • Wohlstand
  • Anerkennung
  • Dankbarkeit

 

Wichtig ist an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass es sich bei Werten um Eigenschaften, also Substantive handelt. Zwar sehr nahe verwandt, aber nicht miteinander zu verwechseln sind Werte und Normen.

 

«Aus Werten lassen sich soziale Normen, also konkrete Vorschriften für das soziale Handeln, ableiten. Während Wertvorstellungen also allgemeine Zielorientierungen des Handelns sind, sind Normen die daraus entstandenen Handlungsvorschriften.» (Lernen.net)

 

Werte beeinflussen also unser Handeln durch die daraus gebildeten Normen. Hier ein paar Beispiele für Werte und dazugehörige Normen. Aus einem Wert können sich natürlich verschiedene Handlungsvorschriften ergeben, solange sie der Erfüllung des Wertes entsprechen.

 

Werte (erstrebenswerte Eigenschaften) Normen (daraus resultierende Handlungsvorschriften)
Offenheit Andere Meinungen akzeptieren.
Ehrlichkeit Nicht lügen.
Selbstbestimmung Selbst entscheiden.
Dankbarkeit Wertschätzung zeigen.
Zuverlässigkeit Sein Wort halten. 

 

Wenn wir nun die Definition von Werten und Normen auf den geschäftlichen Kontext anwenden, widerspiegeln Unternehmenswerte diejenigen Eigenschaften, die die Unternehmensführung als wichtig und erstrebenswert erachtet. Werte bestimmen über die Normen, also die konkreten Verhaltensregeln, wie man Geschäfte macht und welche Verhaltensweisen im Arbeitsalltag erwünscht und welche unerwünscht sind.

 

Hier ein paar Beispiele für oft genannte Unternehmenswerte und passende Normen:

 

Unternehmenswerte (erstrebenswerte Eigenschaften) Normen (daraus resultierende Handlungsvorschriften)
Nachhaltigkeit Die Umwelt an erster Stelle setzen.
Innovation Kreativität bewusst fördern.
Leidenschaft Lieben, was man tut.
Unternehmergeist Verantwortung übernehmen.
Mut Einfach mal machen.

 

Ob am Arbeitsplatz oder zu Hause, mit der konsistenten Umsetzung der Normen ist das manchmal so eine Sache. Teils sind die Verhaltensregeln konkret und klar, z.B. Nicht lügen. Entweder man lügt, oder man lügt eben nicht. Bei Werten wie Selbstbestimmung oder Dankbarkeit wird es schon etwas komplexer. Halte ich mich nicht an die Dankbarkeits-Normen, wenn ich einmal nicht Danke sage? Oder halte ich mich nicht an die Norm für Selbstbestimmung, wenn ich meinen Mann die Entscheidung überlasse, in welchem Restaurant wir zu Abend essen?

 

Und vor allem in Firmen sind speziell die Normen oft nicht schwarz oder weiss. Wie weit wollen wir mit der Nachhaltigkeit gehen? Wann bin ich innovativ und wann nicht? Bin ich nicht leidenschaftlich, weil ich einmal nicht gut drauf bin und deshalb grad einmal nicht liebe, was ich tue?

 

Weil es oft einen grossen Spielraum in der Interpretation von Werten und vor allem Normen gibt, ist es wichtig, dass das Management klare Signale durch ihr eigenes Verhalten sendet und unmissverständliche Verhaltensregeln definiert werden, sogenannte Dos und Don’ts. Diese Dos und Don’ts widerspiegeln erwünschte und unerwünschte Verhaltensweisen im Arbeitsalltag. Die Summe aller Werte und Normen bildet dann die sogenannte Unternehmenskultur.

 

Wie bereits oben erwähnt ergänzen sich Mission, Vision und Werte und es gilt, dass diese kongruent sein müssen. Mission und Vision werden von den persönlichen Werten des Gründer- bzw. Top-Management-Teams beeinflusst und sind demnach eng miteinander verbunden. Die Werte bestimmen schlussendlich über die Normen, WIE die Mission und Vision der Organisation konkret im Alltag gelebt werden. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Unternehmenswerte mit den persönlichen Werten aller Personen, die sich für die Firma einsetzen, vereinbaren lassen. Denn nur dann können sie auch konsequent, authentisch, und nachhaltig im Betrieb (vor)gelebt werden.

 

Welche Bedeutung haben Werte für Unternehmen?

Werte sind ein tolles Werkzeug, das du besonders nutzenstiftend in der Rekrutierung, Kundengewinnung und im Marketing verwenden kannst.

 

Werte als Werkzeug für die Rekrutierung passender Mitarbeiter

Anhand der Unternehmenswerte kannst du passende Interviewfragen generieren, die dir dabei helfen, Personen einzustellen, deren persönliche Werte mit den Werten der Firma vereinbaren lassen. Hierbei solltest du darauf achten, keine zu offensichtlichen Fragen in Bezug auf einen spezifischen Wert zu stellen, da du ansonsten davon ausgehen kannst, sozial erwünschte Antworten zu halten. Wenn du bei einem Bewerbungsgespräch direkt die folgende Frage stellst «Sind sie ehrlich?» Wer würde da wohl mit Nein antworten? Vermutlich nur die wirklich Ehrlichen. 😉

 

 

Hier findest du einige geeignete Beispielfragen, die du während eines Interviews verwenden kannst, um die jeweilige Wertvorstellung abzufragen bzw. mit den Unternehmenswerten abzugleichen:

 

Werte (erstrebenswerte Eigenschaften) Mögliche Interviewfragen (Für Bewerbungsgespräche)
Persönliche Werte erfragen Was ist dir wichtig im Leben?Bitte beschreibe mit 5 Eigenschaften deinen idealen Arbeitgeber.Welche 3 Eigenschaften zeichnen dich als Person aus?
Unternehmenswert Leidenschaft Wie würdest du dich selbst bei der Arbeit beschreiben?Welche Aufgaben machen dir Freude?In welchen Situationen blühst du auf?
Unternehmenswert Unternehmergeist Hast du ein eigenes Unternehmen?Hast du eigene Projekte, die du in deiner Freizeit selbstständig umsetzt?Was fällt dir zu dem Begriff «Eigenverantwortung» ein?
Unternehmenswert Mut Bist du eher Denker oder Macher?Wann hast du das letzte Mal einfach mal was gewagt?Was ist das Verrückteste, dass du im Leben je gemacht hast?

 

Werte als Werkzeug, um neue Kunden zu gewinnen

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, wo wir fast für jedes Produkt ein Substitut finden, das ein und dasselbe Bedürfnis befriedigt. Um sich abzuheben und klar von den Wettbewerbern differenzieren zu können, braucht es mehr als nur ein anderes Design oder eine technische Überarbeitung. Bei einer solchen Reizüberflutung ist es nicht leicht für den Kunden, das für ihn passende Produkt zu finden. Um dem Kunden diese Entscheidung so einfach wie möglich zu machen, können wir ihm verdeutlichen, für welche Werte unser Unternehmen, und somit auch unsere Produkte und Services, stehen. Wenn die persönlichen Werte mit denen des Unternehmens übereinstimmen muss der Kunde nicht mehr lange überlegen, welches Produkt sein aktuelles Bedürfnis am besten befriedigt. Das Produkt wird zur Repräsentation der erstrebenswerten Eigenschaft, nach der der Kunde sein Leben gestaltet. Das Produkt deiner Firma stimmt mit seinem Lebensstil überein und passt deshalb optimal. Die Entscheidung ist gefällt.

 

 

Durch eine klare und starke Botschaft in Bezug auf die Unternehmenswerte, und die damit eng verbundene Mission und Vision, ziehen wir die passenden Kunden fast schon auf eine magische Weise an und erleichtern ihnen erst noch die Entscheidung, welches Produkt für sie das richtige ist.

 

Werte als Werkzeug zum erfolgreichen Markenaufbau

Mit jeder Marke können positive und negative Eigenschaften assoziiert werden. Wenn das Top Management etwas auf die Authentizität und den Erfolg der Marke ihres Unternehmens gibt, ist es empfehlenswert, die Wahrnehmung der eigenen Marke(n) auf den dahinter liegenden Unternehmenswerten aufzubauen. Und auch hier ist dies nur glaubwürdig, wenn die Werte im Unternehmen auch tatsächlich gelebt werden. Ansonsten kann es zu Inkongruenzen führen und der Mensch ist generell überhaupt kein Fan von Unstimmigkeiten. Abweichungen zwischen dem, was gesagt wird und dem, was gemacht wird kann zu Verwirrung, Frustration, Ärger und Enttäuschung bei bestehenden und potenziellen Kunden, Partnern und anderen wichtigen Interessensgruppen führen. Und das will man Firma möglichst vermeiden, wenn man langfristig erfolgreich sein möchte.

 

Stimmt eure Marke mit euren Werten, mit eurer Mission und eurer Firmenvision überein? Falls nicht solltet ihr dringend was ändern, denn früher oder später wird diese Diskrepanz zu einem Stolperstein. Rückläufige Verkäufe, negative Schlagzeilen, Kündigungswellen, Mangel an geeigneten Bewerbern und/oder neue, erfolgreichere Wettbewerber können Folgen einer solchen Unstimmigkeit in der Wahrnehmung einer Marke sein. Auch hier ist der Schlüsselbegriff Kongruenz. Mission, Vision, Werte und Normen müssen übereinstimmen um eine authentische Botschaft als Organisation nach innen und aussen senden zu können. Erst dann wird man kompromisslos die passenden Kunden und Mitarbeiter anziehen, die es dem Unternehmen ermöglichen langfristig zu bestehen.

 

Wäre die Welt nicht wunderbar, wenn alle Firmen kompromisslos konsistent wären in dem, was sie sagen und in dem, was sie tun? Man hätte ein ehrliches Bild aufgrund dessen man sich für das eine oder andere entscheiden könnte. Naja, wie wir wissen sieht die Realität oft nicht so rosig aus. Schlussendlich werden Firmen immer noch von Menschen geführt. Und überall, wo der Mensch seine Finger im Spiel hat wird’s kompliziert und oft auch unberechenbar.

 

Andere können wir sowieso nicht ändern. Wir können aber selbst als Vorbild voranschreiten und es uns zur Aufgabe machen, die Diskrepanz zwischen Mission, Vision, Werten und eigenem Verhalten so gering, wie möglich zu halten. Jede Veränderung beginnt mit uns und wenn wir Glück haben, können wir andere dazu inspirieren es uns gleich zu tun.

 

Welche Bedeutung haben Werte für die Teamentwicklung?

Werte spielen natürlich auch bei der Weiterentwicklung deines Teams eine zentrale Rolle, denn auch die Zusammenarbeit im Team wird schlussendlich von der (fehlenden) Mission und Vision beeinflusst und über Werte und Normen bestimmt. Zusammenarbeit ist die Summe aller Verhaltensweisen in Bezug auf den berufsrelevanten Austausch mit anderen Personen, um ein, idealerweise gemeinsames, Ziel zu erreichen.

 

Gleich wie im Umgang mit der Mission und Vision braucht es zuerst einmal einen Status Check bezüglich der wahrgenommenen und gelebten Werte und Normen.

 

 

Die folgenden Szenarien verdeutlichen die Wichtigkeit der Werte für die Teamentwicklung und zeigen wir passende Handlungsempfehlungen, die auch dich und dein Team im Berufsalltag weiterbringen.

 

Szenario 1: Inhaber/In beobachtet unerwünschte Verhaltensweisen bei Mitarbeitern

Stelle dir vor, du bist Inhaber eines 54-Personen Betriebs. Du hast es dir zur Gewohnheit gemacht nachmittags stets einen kurzen Rundgang durch das Firmengebäude zu machen, um immer auf dem neusten Stand der Dinge zu sein. Auf einem vermeintlich ganz normalen Dienstagnachmittags-Rundgang kommt eine deiner oberen Kaderleute auf dich zu und teilt dir mit, dass es des Öfteren zu Unstimmigkeiten und kleinen Auseinandersetzungen innerhalb eines bestimmten Teams kommt. Dieses Team, nennen wir es Team A, hat vor kurzem einen neuen Teamleiter erhalten. Dieser Teamleiter steht in der Hierarchie eine Stufe unter deinem oberen Kaderteam.

 

Das lässt dich als Inhaber natürlich nicht kalt und du willst der Sache auf den Grund gehen, denn mögliche Ursachen gibt es viele. In einem ersten Schritt geht der Inhaber auf die Vorgesetzte des Teamleiters zu und erkundigt sich über den neuen Teamleiter. Die Kollegin meint, dass sie ihn noch nicht so richtig spüren kann, ihm aber noch etwas mehr Zeit geben möchte, sich einzufinden. Er sei ja schliesslich erst seit 2 Monaten hier. Du bist mit ihrer Antwort zufrieden und vertraust auf ihre Expertise.

 

3 Wochen später kommt Führungsverantwortliche des Teamleiters proaktiv auf dich zu und berichtet, dass sich die Stimmung im Team des neuen Teamleiters verschlechtert hat und sich die Teammitglieder nun regelmässig in die Haare kriegen, während andere fast nur noch schweigen. Deine Arbeitskollegin hat Verantwortung übernommen und hatte bereits ein offenes 1:1 Gespräch mit dem Teamleiter. Während dieses Gesprächs hat sie herausgefunden, dass der neue Teamleiter mit der Situation überfordert ist, da er nicht ans Team ranzukommen scheint. Er meinte, dass sie kaum Informationen preisgeben und wenn, dann wird Vieles beschönigt und die wahren Probleme kämen nie wirklich zum Vorschein. Er hat die Vermutung, dass sein Vorgänger nie wirklich was wissen wollte, es mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm und dadurch kein besonders gutes Vorbild war. Nun seien die Teammitglieder überfordert mit einem Chef, der sich für sie und ihre Arbeit interessiere. Und vor allem wolle er Offenheit und Ehrlichkeit fördern. Ehrlichkeit zähle ja schliesslich zu den Unternehmenswerten, meinte er.

 

Das ist bitter, denkst du dir, dass man nicht gemerkt hat, dass der vorherige Teamleiter einen deiner wichtigsten Werte überhaupt nicht gelebt hat. 

 

Gemeinsam mit der Kollegin des oberen Kaders stellst du den folgenden Plan zusammen, mit dem Ziel die Wichtigkeit der gemeinsamen Unternehmenswerte nochmals in der ganzen Firma zu verankern und nochmals klar machen, welche Verhaltensweisen erwünscht und welche nicht erwünscht sind. Somit sollte in Zukunft vermieden werden können, dass es Mitarbeiter gibt, die sich nicht wertekonform verhalten.

 

  1. Firmenapéro mit Rede des Inhabers, wo er nochmals die Wichtigkeit der Unternehmenswerte betont. Wichtig: Anschuldigungen und Blossstellungen müssen unbedingt vermieden werden. Der Fokus soll auf positiven Formulierungen liegen.
  2. 05. Tage Intensiv-Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit dem Inhaber und dem oberen Kader, um ein einheitliches Verständnis der Werte aufzufrischen und zu spüren, ob sich in der Führung Diskrepanzen mit den Werten ausfindig machen lassen. Hier werden auch nochmals die gewünschten und ungewünschten Verhaltensweisen betont.
  3. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit dem oberen und mittleren Kader, um die Erkenntnisse aus dem Intensiv-Workshop in die Firma zu tragen.
  4. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit den Teamleitern (mittleren Kader) und ihren jeweiligen Teams separat, um wiederum die Erkenntnisse aus dem Workshop auch an alle restlichen Mitarbeiter zu tragen. 
  5. Regelmässiger Austausch in Bezug auf die Umsetzung der Werte sowohl die Teamleiter mit ihren Teams, als auch die Teamleiter mit ihren Vorgesetzten (oberes Kader) und diese wiederum mit dem Inhaber.

 

Sobald man als Firma wächst und als Inhaber nicht mehr alle Mitarbeiter direkt führen kann ist es von grosser Bedeutung, dass man Führungskräfte einstellt, die mit den Unternehmenswerten übereinstimmen. Klar müssen die Fähigkeiten vorhanden sein, aber schlussendlich wird eine Führungsperson nur dann einen grossen Beitrag zum langfristigen Erfolg des Unternehmens leisten, wenn seine bzw. ihre Werte mit den Werten der Organisation übereinstimmt.

 

Szenario 2: Unklare Werte für Führungsperson im oberen Kader

Stelle dir einmal vor, dass du bereits seit zwei Jahren in Firma B ein Team von 7 Teamleitern führst, die wiederum selbst Teams von 3-11 Personen führen. In deiner Zeit bei Firma B ist dir immer wieder aufgefallen, dass sich die Führungskräfte im Top Management sehr in ihren Verhaltensweisen unterscheiden. Deine Chefin ist auch Teil des Top Managements und du nimmst sie als sehr innovativ, leidenschaftlich und wertschätzend wahr. Andere ihrer Kollegen scheinen zwar leidenschaftlich, aber selten innovativ oder wertschätzend. Wieder andere sind das pure Gegenteil von allen drei Eigenschaften.

 

Bisher hat dich dieser Umstand nicht sonderlich gestört, da du vorwiegend mit deiner Chefin in Kontakt warst. Und was du von anderen Arbeitskollegen gehört hast, hast du nicht wirklich sehr ernst genommen. Leider zu wenig ernst, wie du nun selbst feststellen musstest. Seitdem beschlossen wurde, dass das monatliche Update Meeting neu in Anwesenheit aller Top Management Mitglieder stattfinden sollte, hast du am eigenen Leibe erfahren, wie die verschiedenen Top Manager ticken und hast selbst ein paar unangenehme Erfahrungen gemacht, die Unsicherheit in dir auslösen.

 

Du hast einen guten Draht zu deiner Vorgesetzten und sprichst sie darauf an, wie verwirrend und unangenehm die unterschiedlichen Verhaltensweiser ihrer Teamkolleginnen und -kollegen für dich sind. Sie hat sich für deine Offenheit und Proaktivität bedankt und kam selbst ins Grübeln. Ihr waren die Diskrepanzen wohl bekannt, nur hatte sie sich irgendwie bereits damit abgefunden, da sie diesem Umstand in der Hektik des Alltags keine Priorität beimass. Ihr wurde aber bewusst, dass dies doch weitreichendere Folgen für das Unternehmen haben könnte, als sie dachte. Denn mit ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen, vermittelten ihre Arbeitskollegen konträre Botschaften und signalisierten somit unterschiedliche Werte, was schlussendlich zu einem verzerrten Wertebild der Firma führen würde.

 

Gemeinsam erarbeitet ihr einen Plan, um das Thema Werte und Normen innerhalb des Top Managements anzusprechen und zu einem einheitlich gelebten Wertesystem zu kommen.

 

  1. 1 Tag moderierter Workshop in einer externen Location, um das Bewusstsein bezüglich des Themas Werte zu kreieren, dessen Wichtigkeit zu erkennen und einheitliche Unternehmenswerte klar zu definieren.
  2. 1 Tag Follow-Up Workshop, wieder in einer externen Location, um das eigene Verhalten zu reflektieren und gemeinsam, basierend auf den vordefinierten Werten, erwünschte und unerwünschte Verhaltensweisen festzulegen.
  3. 0.5 Tag Follow-Up, wieder in einer externen Location, um Erfahrungen auszutauschen, Learnings zu generieren und Verbesserungsmassanhmen zu definieren.
  4. 2h Follow-Up, um erneut Erfahrungen auszutauschen, Learnings zu generieren und Verbesserungsmassanhmen zu definieren.
  5. Firmenapéro mit Rede des Top Managements zum Thema Werte und Normen. Wichtig: Das Top Management muss als Einheit auftreten und idealerweise hat jedes Mitglied einen ähnlich umfassenden Teil bei der Rede.
  6. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit dem Top Manager und seinem jeweiligen Team des oberen Kaders, um ein einheitliches Verständnis der Werte zu schaffen und zu verinnerlichen.
  7. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit dem Top Manager und seinem jeweiligen Team des oberen Kaders, um auch auf dieser Stufe ein einheitliches Verständnis der Werte zu schaffen und zu verinnerlichen.
  8. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit der Führungskraft des oberen Kaders mit ihrem jeweiligen Team, um auch auf dieser Stufe ein einheitliches Verständnis der Werte zu schaffen und zu verinnerlichen.
  9. 2h Workshop zum Thema Unternehmenswerte mit der Führungskraft des mittleren Kaders mit ihrem jeweiligen Team, um auch auf dieser Stufe ein einheitliches Verständnis der Werte zu schaffen und zu verinnerlichen.
  10. Regelmässiger Austausch in Bezug auf die Umsetzung der Werte sowohl managementintern, mit dem oberen Kader, das obere Kader jeweils mit seinem Team und das mittlere Kader wiederum jeweils mit ihren Teams.

 

Je mehr Stufen zwischen Management und der untersten Hierarchiestufe liegen, desto schwieriger ist es Werte so zu transportieren, dass sie einheitlich wahrgenommen und verinnerlicht werden. Idealerweise fängt man deshalb auch in grösseren Firmen ganz oben an, ein solch essentielles Thema wie Werte gemeinsam klar zu definieren und vorzuleben. Man sagt nicht umsonst: «Der Fisch stinkt immer vom Kopf.»

 

Quellen

 

Prof. Dr. Suchanek, A. Prof. Dr. Lin-Hi, N. & Prof. Dr. Maier, G. W. (2021, 25. August). Werte. Gabler Wirtschaftslexikon. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/werte-49667/version-384764

Cordes. I. (o. D.). Definiere deine 5 wichtigsten Werte und Trage sie in dein Business. Ines Cordes – Happy Business! https://inescordes.com/definiere-deine-werte-leben-business/ (Stand 03.09.2021)  

Werte: 5 Arten + Werte-Liste mit 25 Beispielen (o. D.). Lernen.net. https://www.lernen.net/artikel/werte-16618/ (Stand 03.09.2021)

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